Friedensbündnis Karlsruhe
14.6.2006

Militär-Ökonomie in den USA

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Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit
Simon Harak, New York
Priester, Ethikprofessor
und Koordinator der War Resisters League, USA

Freitag, 28. Juli 2006, 19.30 Uhr

Kath. Hochschulgemeinde Karlsruhe, Hirschstr. 103

Simon Harak gilt als einer der führenden Experten der Militärökonomie in den USA. Er zeigt auf, wie sehr führende US-Politiker gleichzeitig in Aufsichtspositionen der führenden Waffenkonzerne stecken. Sie entscheiden damit direkt über den Rüstungshaushalt der USA.

Simon Harak und weitere 370 Antikriegs-Protestierer
werden im September 2005 in Washington DC
verhaftet.

Harak ist Gründungsmitglied von "Voices in the Wilderness", die mehrmals für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurden. Dreimal reiste er in den Irak, um öffentlich gegen die Sanktionen zu verstoßen und um Medizin und Kinderspielzeug in die Krankenhäuser zu bringen. Er ist Autor des Buches "Gewaltfreiheit im dritten Jahrtausend".

Der Abend ist Teil einer Rundreise, die Harak unmittelbar nach Ende der weltweiten Konferenz der "War Resisters International" unternimmt, die in diesem Jahr in Deutschland (bei Paderborn) stattfindet.


Es laden ein:



Kriegsterror der Konzerne

"Die führenden US-Regierungsvertreter sind mit den Rüstungskonzernen eins", erklärt Simon Harak. Das Beispiel Irak zeige deutlich, an wen und unter welchen Bedingungen Wirtschaftsaufträge vergeben werden und wie von Konzernen Wucherprofite erzielt werden. Halliburton ist einer davon. Die Besatzung des Irak ist mittlerweile nicht mehr nur eine Aufgabe der US-Armee, sondern sie wird ebenso organisiert von privaten Sicherheitsunternehmen mit 20 000 Söldnern. Die "Washington Post" bezeichnet diese als "die größte Privatarmee der Welt".

Die gleichen Konzerne, die Milliarden Dollars durch den Irakkrieg und die Besetzung verdienen, vergeben enorme Geldsummen an US-Regierungskandidaten und haben "Freunde in hohen Regierungspositionen". Zudem stehen sie bereits seit vielen Jahren dem Verteidigungsministerium beratend zur Seite.

"Händler des Todes"

Individuen, Gesellschaften und Konzerne haben schon immer einen Vorteil aus Kriegen gezogen. Seit Jahrhunderten widersetzen sich Menschen diesen Kriegsprofiteuren. Heute aber hat sich die Macht dieser Kriegsprofiteure verändert. Sie treten nicht mehr erst nach Kriegsbeginn auf den Plan, sondern bevor der Krieg beginnt. In den letzten 20 Jahren haben die Kriegsprofiteure mehr und mehr Einfluss auf US-Regierungsvertreter gewonnen. Dem 1985 gegründeten verteidigungspolitischen Ausschuss gehören über 30 Vertreter der Auftragnehmer und Lieferanten aus der Militärindustrie an. Konzerne entscheiden buchstäblich, welche Waffensysteme gekauft werden sollen, in welche Länder eingefallen werden soll und welche Rohstoffe es zu erobern gilt. Dazu sagt die Liga der Kriegsdienstverweigerer (War Resisters League): "Es stimmt heute nicht mehr, dass Konzerne Profite mit Kriegen machen, sondern sie haben bereits so viel Macht, dass sie Kriege für Profite machen."

Beispiel Dick Cheney

Im Jahr 1992 beauftragte Dick Cheney als damaliger Verteidigungsminister einen privaten Konzern, folgende Fragen zu beantworten: Ist es ökonomisch möglich, die militärische Logistik vom Verteidigungsministerium auf private Konzerne zu übertragen? Kann ihnen die Verantwortung übertragen werden, Baracken zu bauen, Brennstoffe und Munition, Kochutensilien und Verpflegung usw. zu liefern? Natürlich sagte der private Konzern dazu "ja". Sein Name ist Halliburton. Im selben Jahr verließ Cheney seinen Regierungsposten und wurde ohne die geringste vorherige Geschäftserfahrung Leiter dieses großen privaten Konzerns: Halliburton. Die folgenden acht Jahre wurden tausende Militärlogistik-Verträge an private Konzerne übertragen. Eintausend dieser Verträge gingen an einen einzigen Konzern: Halliburton. Im Jahr 2000 wurde Dick Cheney Vizepräsident der USA. Ein Jahr später führte die USA Krieg gegen Afghanistan. Halliburton's Profite stiegen weiter. Ca. zwei Jahre später führte die US-Regierung Krieg gegen den Irak.

Halliburton erhielt Hunderte von Verträgen, die nicht einmal öffentlich ausgeschrieben waren: im Wert von einer halben Milliarde Dollar im Jahr 2003, von drei Milliarden Dollar im Jahr 2004 und acht Milliarden Dollar im Jahr 2005. Die Anordnung 39 der amerikanischen Zivilverwaltung vom 21.9.03 über d(inzwischen von der irakischen Regierung übernommen) irekte ausländische Investitionen erlaubt uneingeschränkten, 100% ausländischen Besitz und das in allen wirtschaftlichen Sektoren des Irak, mit Ausnahme von Öl. Profite können nach diesem Gesetz ohne Verzögerung aus dem Irak abgezogen werden. Generalmajor David Petraeus erzählte einer Kongress-Delegation, dass ein US-Unternehmen einen Kostenvoranschlag von 15 Millionen Dollar für die Reparatur einer Zementfabrik in Nordirak unterbreitete. Die tatsächlichen Kosten betrugen - nachdem das Projekt den Irakis übergeben worden war - 80.000 Dollar. Solche Beispiele gibt es viele: so zeigte sich bei einem Besuch in fünf Schulen in Bagdad, die durch die Firma Bechtel und ihre Sub-Unternehmer wieder aufgebaut und eingerichtet worden sein sollten, dass es nicht genug Schreibhefte oder Tafeln gab; vier Kinder mussten sich Zweier-Tische teilen. Nicht einmal die Toiletten funktionierten.

Kriegsprofiteure der Bush-Regierung im Irak sind:

Alliant Technologies (ATK) (ehem. Honeywell) (produziert Uranmunition), Halliburton (Öl- und Gaspiplines), Kellogg, Brown & Root (KBR) (Energie, Gefängnisse, Stadien, Autobahnen, Militärbasen), Bechtel Group Inc. (Bauunternehmen), MCI WorldCom (Telekommunikation, Internet).

Zusammenfassung von Berichten Simon Haraks
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